22 Nov

Port Macquarie – macht müde Koalas munter

Seit wir in Coffs Harbour in den Bus gestiegen sind, wird alles immer besser und wir fühlen uns bei der Ankunft in Port Macquarie gleich sehr willkommen geheißen von unserem Abhol-Shuttle zum Hostel. Dieses liegt in Strandnähe und es gibt ein Aktivitäten Board. Neben der beängstigenden Information, dass die heutige Surfstunde wegen einer Hai Sichtung ausgefallen ist, wird für den nächsten Tag ein Shuttle zum Beginn eines Coastal Walks angeboten, für den wir uns sogleich eintragen.

Eigentlich sind wir hier wegen des Koala Krankenhauses aber uns wird versichert, dass dieses auf dem Weg liege und das Timing des Buses gut wäre. Wir kochen also noch gemütlich und machen es uns abends mit dem WLAN bequem.

Am nächsten Tag haben wir vormittags viel Zeit, denn der Shuttle zum Coastal Walk fährt erst gegen Mittag. So gehen wir noch entspannt einkaufen für das heutige Abendessen mit Barbara und Rachel, die wieder nur einen Tag nach uns hier ankommen. Schließlich ist es Zeit für den Bus, dieser lädt uns mit kurzer Verzögerung am Leuchtturm ab und wir beginnen unseren Küstenspaziergang.

Von einer Bucht weiter hinten sieht der Leuchtturm gleich noch viel besser aus.

Nach der ersten Bucht gibt es einen kleinen Anstieg, der sich allerdings in der Hitze viel größer anfühlt. Der Spaziergang erstreckt sich schließlich über ungefähr sieben Strände. Zu jedem muss man einmal hinunter steigen und am Ende über Treppen wieder nach oben. Trotz der Anstrengung bieten sich immer wieder atemberaubende Ausblicke.

Die Strände sind meist aus unergründlichen Gründen menschenleer.

Leider war das Timing des Shuttles doch nicht ganz so günstig, sodass wir uns ziemlich beeilen müssen um rechtzeitig zur Führung im Koala Krankenhaus zu sein. Diese findet täglich um 3 Uhr nachmittags statt und ist kostenlos. Wir kommen ungefähr 10 Minuten vorher dort an und lesen uns bereits durch woran die Koalas so leiden.

Die Führung selbst beginnt mit einer Begrüßung durch die freiwilligen Helfer. Sie erklären uns, dass es Koalas gibt, die dauerhaft versorgt werden müssen und welche, die wieder in die Wildnis entlassen werden können. Die Betreibung des Krankenhauses kostet 500.000 AUD pro Jahr und das Krankenhaus erhält keine staatlichen Zuschüsse und finanziert sich daher rein durch Spenden. Alle Mitarbeiter hier sind Freiwillige. Als wir uns schließlich auf den Weg zu den Gehegen machen, lernen wir was Koalas so alles passieren kann.

Durch die Ausbreitung der Menschen werden vermehrt Bäume abgeholzt und die Koalas müssen so weitere Distanzen zurück legen um Nahrung zu finden. Dabei überqueren sie möglicherweise Straßen und werden von Fahrzeugen erfasst. Außerdem kann es sein, dass dort, wo einst ein Baum stand heute ein Zaun ist, womöglich noch mit einem Hund dahinter. Hunde greifen Koalas an und töten sie meistens. Außerdem stecken sich viele Koalas im Laufe ihres Lebens mit Chlamydien an, die für sie tödlich verlaufen. Zuerst verlieren sie jedoch ihr Augenlicht, klettern daher von den Bäumen herunter und laufen im Kreis. Wird ein hilfloser Koala in egal welcher Verfassung aufgefunden, so rückt die Feuerwehr des Krankenhauses aus und sammelt ihn ein. Ein Koala Mädchen wurde zum Beispiel vor einem Buschfeuer gerettet. Sie verlor jedoch ihre Krallen und wird nie wieder auf einen Baum klettern.
Dieses Exemplar hier hat besonders viel Pech gehabt.

Nach einem Autounfall musste ihr ein Bei amputiert werden. Das konnte sie jedoch nicht vom Klettern abhalten, sodass sie eines Tages vom Baum gefallen ist und dadurch auch noch ein Auge verlor. Koalas sind also auch nicht sonderlich schlau, sondern klettern oft so hoch, dass die Äste zu dünn werden um sie zu halten und sie schließlich herunter fallen.
Manche Koalas erhalten zusätzlich zu ihrem täglichen Room Service noch einen nahrhaften Brei, der mit der Pipette gefüttert wird.

Heute darf dies die internationale Freiwillige erledigen und ich bin sofort neidisch. Allerdings ist es bestimmt super schwer sich hier mit dem Knuddeln zurück zu halten. Koalas sind schließlich wilde Tiere und da viele von ihnen blind sind, mögen sie es erst recht nicht, wenn sie gestreichelt werden, sondern sie verfallen dadurch in Panik. Der einzige Zeitpunkt zu dem sie gestreichelt werden dürfen ist als Baby. Wenn ein solches gefunden wird darf es einer der Freiwilligen bei sich zuhause behalten und so lange knuddeln bis es 2,3 kg wiegt. Dann kommt es zurück ins Krankenhaus und ihm wird der Menschenkontakt wieder abtrainiert, was wirklich herzzerreißend sein muss. Man stelle sich vor es kommt so ein kleines Fellknäuel auf einen zu, möchte hochgenommen und geknuddelt werden und man muss es wegschieben! Richtig hart. Aber es ist zu seinem Besten, denn so kann es mit angefütterten 3,5 kg wieder in die Wildnis entlassen werden und womöglich viele weitere Fellknäuel produzieren.

Dieser Besuch hat mich wirklich nachhaltig beeindruckt und natürlich adoptiere ich einen der Koalas (das ist online möglich unter http://www.koalahospital.org.au/adopt-a-koala). Außerdem melde ich mich als internationale Freiwillige für April 2019 an. Alle anderen Monate bis dorthin sind bereits ausgebucht und so eine Chance gibt es nur einmal im Leben!

Noch etwas bedrückt von den Schicksalen der Koalas machen wir uns auf den Rückweg zum Hostel. Abends kommen Barbara und Rachel an, wir essen gemeinsam Wraps und verbringen den Abend mit Spielen. Das Hostel ist wirklich nett, denn jeden Abend gibt es eine Aktion, z.B. Spieleabend oder Potluck Abend, wo jeder etwas aus seinem Land kocht und alle mal probieren dürfen. Eine sehr nette kleine Gemeinschaft, in die ich gerne noch einmal zurück kehren möchte. Und wer weiß – vielleicht klappt es ja im April 2019!

Am nächsten Tag müssen wir ganz früh zu unserem Bus und nehmen daher ein Taxi. Bei der Abfahrt gegen 5:05 können wir den Sonnenaufgang beobachten und freuen uns auf… Sydney!

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