13 Dez

Perth – die isolierteste Großstadt der Welt

Der Flug nach Perth verläuft soweit problemlos. Ich fliege mit Virgin Australia und lade mir deren App für in flight Entertainment auf mein Handy. Während des circa 4,5-stündigen Fluges sehe ich mir ein paar Folgen einer Serie an, die ich bisher noch nicht kannte und deren Namen ich auch schon wieder vergessen habe. Aber ich fühle mich bis zur Ankunft gut unterhalten. Vor Allem auch, weil ich einen Fensterplatz habe und das beeindruckende rote Outback endlos unter mir entlang ziehen sehe.

Hier kann man schon gut erkennen, dass um Perth herum sehr lange einfach nichts ist. So ist Perth auch die isolierteste Großstadt der Welt, denn die nächste wäre Melbourne. An keinem anderen Ort der Welt sind Großstädte so weit von einander entfernt!
Beim Aussteigen aus dem Flugzeug sehe ich aus dem Augenwinkel kurz ein Schild für Einfuhrverbote und gehe in Gedanken durch was ich so dabei habe. Bienenprodukte sind verboten und ich breche kurz in Panik aus als ich an meinen frisch in Sovereign Hill gekauften Lippenbalsam aus Bienenwachs denke, aber niemand kontrolliert mich. Später erfahre ich auch, dass es kein Problem gewesen wäre.
Ich nehme den Airport Shuttle in die Stadt für 15 Dollar und lerne vom Fahrer und seinem Begleiter, dass der Stadtbus viel günstiger gewesen wäre. Allerdings fährt der nicht so oft und auch viel länger, also bin ich mit meiner Wahl zufrieden. Ich erhalte von den beiden auch Tipps für die Stadt, einen Flyer für Ausflüge in die Umgebung und eine Restaurant Empfehlung für’s Abendessen. Da ich zudem noch direkt vor der Tür meines Hostels abgesetzt werde, hat sich das Ganze schon gelohnt.
Nach dem Einchecken treffe ich in dem mir zugewiesenen 4-Bett Zimmer für Frauen Sarah aus England, die als Musikjournalistin um die Welt reist. Ich überrede sie mit mir Essen zu gehen und nachdem wir uns Sushi geteilt haben, zeigt sie mir noch die Stadt. Wir laufen durch den Central Business District und haben eine erste Begegnung der besonderen Art – Bienen auf dem Gehsteig!

Perth gefällt mir jetzt schon!
Bereits von Weitem sehen wir das Leuchten des Bell Towers und bewegen uns darauf zu, bis wir schließlich am Elizabeth Quay direkt davor stehen.

Um den schnuckeligen Hafen kann man einmal über eine Brücke rundherum laufen bis man wieder in den Central Business District eintaucht, in dem wir noch eine kleine, hübsch weihnachtlich dekorierte Gasse finden.

Nach diesem Verdauungsspaziergang ist es vielleicht ungefähr 21 Uhr aber ich fühle mich wie erschlagen, weil es für mich nach Melbourne Zeit eigentlich bereits 3 Stunden später ist. Das bisschen Zeitverschiebung trifft mich ziemlich, sodass ich mich gleich ins Bett verziehe.
Entsprechend früh bin ich am nächsten Morgen auch wach und vertrödel meine Zeit bis zur Abholung meines Weihnachtsgeschenkes im stadteigenen WLAN. Ja richtig, im CBD Perth gibt es für jeden frei zugängliches und kostenloses WLAN – richtig gut! Auch Pokemon kann man dort einfangen! Dort erhält man auch Informationen zu Veranstaltungen in der Stadt.
Bald ist es jedoch an der Zeit mich zum Flughafen zu begeben. Ich fahre mit dem Stadtbus ungefähr eine Stunde und muss einmal umsteigen. Da war der Shuttle gestern schneller und unkomplizierter. Egal, ich bin rechtzeitig da und warte darauf, dass meine Mutter durch diese passende Tür gelaufen kommt.

Es dauert eine Weile aber schließlich können wir uns doch in die Arme schließen und die Freude über das Wiedersehen nach knapp 3 Monaten ist riesig! Sie wird auch gleich von der flughafeneigenen, zum Ankunftsland passenden Weihnachtsdekoration begrüßt.

Auch sie und ihr Gepäck wurden bei der Einreise von einem Spürhund beschnüffelt und er fand sogar etwas! Dies signalisierte er, indem er sich hinsetzte. Schließlich kam im Gepäck eine vergessene Banane zum Vorschein aber meine Mutter blieb von der befürchteten Strafzahlung in Höhe von 200 Dollar zum Glück verschont und die Banane wanderte einfach so in den Müll, puh!
Zusammen nehmen wir den Bus nach Fremantle, um im Frauengefängnis einzuchecken, das in ein Hostel umgebaut wurde. Bereits das Eingangstor wirkt etwas einschüchternd.

Im Zimmer kann man noch erahnen wie die Zellen früher waren, denn es wurden jeweils zwei zusammengelegt und die einzige Möblierung ist ein Doppelstockbett. Natürlich sind die Fenster vergittert. Im oberen Trakt kann man auch noch richtig schön die Zellenstruktur erkennen.

Wir gönnen uns noch ein Abendessen in einer Bar, laufen bei Regen zurück ins Hostel und buchen dort noch die Fähre nach Rottnest Island inklusive Fahrrad für den nächsten Tag, denn für den übernächsten ist sie bereits ausgebucht und im Hostel gibt es einen Rabatt.

Morgens werden wir von strömendem Regen geweckt und malen uns bereits aus, wie wir in selbigem völlig durchnässt mit dem Fahrrad über die Insel fahren. Dem entsprechend wählen wir auch unsere Kleidung aus und laufen zur Fähre. Immerhin hat es aufgehört zu regnen und wir treten die Überfahrt an. Von Fremantle aus ist diese auch viel kürzer, günstiger und über weniger raue See als es von Perth der Fall wäre.
Auf der Insel erwarten uns strahlender Sonnenschein und unsere Fahrräder, die auch mit auf der Fähre waren. Nach einem kurzen Stopp am Besucherzentrum, bei dem wir uns mit Kartenmaterial versorgen, entscheiden wir uns dafür die Insel einmal zu umrunden und rollen los.
Unser erster Halt ist an den gestapelten Henrietta Rocks, die eine Bucht mit türkisblauem Wasser begrenzen.

Nachdem wir uns satt gesehen haben, radeln wir weiter in Richtung Leuchtturm.

Auf der Zufahrtsstraße zum Leuchtturm sehen wir die ersten typischen Bewohner der Insel – Quokkas!

Die Tiere gaben der Insel ihren Namen, denn der Entdecker hielt sie für Ratten und nannte das Stück Land daher „Rattennest Insel“ also „Rottnest Island“. Eine gewisse Ähnlichkeit zu Ratten lässt sich auch nicht verleugnen. Da der Trend ja momentan zu Selfies mit den grinsenden Tieren geht, versuche ich auch mein Glück. Aber grinsen will es nicht so recht also wird das Foto nur so.

Bevor die anderen beiden meinen abgelegten Rucksack anknabbern, setzen wir unseren Weg zum Leuchtturm lieber fort.

Der Eintritt ist uns zu teuer und so machen wir nur Fotos von der Aussicht von unten. Man kann sogar in der Ferne die Skyline von Perth erkennen!

Schließlich wird es Zeit für Mittagessen und so legen wir in der nächsten Bucht ein Picknick ein. Natürlich am besten Platz und mit den Füßen im Wasser.

Die Strände hier sind wirklich zauberschön und auch überhaupt nicht überfüllt!

Eigentlich hatten wir uns vorgenommen schnorcheln zu gehen aber als wir an der uns dafür empfohlenen Parakeet Bay ankommen. ist es uns doch zu kalt und windig dafür. So genießen wir einfach nur eine Weile die Aussicht.

Durch Marschland und Salzseen radeln wir weiter in die Siedlung und stellen überrascht fest, dass die meisten Läden dort um 17 Uhr schließen. So auch die Bäckerei und die Eisdiele – beides Dinge, die wir gerne noch in Anspruch genommen hätten als wir 17:01 Uhr dort ankommen. Naja, immerhin hat der Supermarkt noch geöffnet und so gibt es eben Eis am Stiel. In der Siedlung laufen auch wieder richtig viele Quokkas umher und auch der Supermarkt hat extra Schutztüren eingebaut, damit die Tiere sich nicht an den Waren bedienen.

Leider müssen wir das Inselparadies wieder verlassen und es geht nach diesem aktiven Tag wieder mit der Fähre zurück nach Fremantle. Auf halber Strecke gelangen wir in den Regen und stellen fest, dass scheinbar auch hier das Phänomen der Nordseeinseln gilt, dass das Wetter auf der Insel gerne mal besser ist als auf dem Festland. Da haben wir wirklich nochmal Glück gehabt!

Am nächsten Tag schlendern wir etwas durch Fremantle und nehmen schließlich den Zug nach Perth. Dort findet der Weihnachtsmarkt, den ich am Tag nach meiner Ankunft dort entdeckt hatte, natürlich nicht mehr statt und so bewundern wir stattdessen die Mischung aus alter und neuer Architektur. Mit Weihnachtsmärkten habe ich in diesem Jahr aber auch wirklich überhaupt kein Glück!

Wir spazieren weiter in Richtung Kings Park und kommen dabei an einem anderen kleinen Park mit Teich vor der Skyline vorbei.

Als nächstes Hindernis auf unserem Weg müssen wir Jacob’s Leiter mit unzähligen Stufen überwinden. Hier gibt es auch viele Sportler, die selbige hinauf und herunter joggen.

Die Anstrengung hat sich jedoch gelohnt, denn oben werden wir von einer ganzen Allee Yacaranda Bäume begrüßt.

Auch das Dach des Parkhauses sieht von hier oben aus wie ein Surfbrett und passt somit gut zur australischen Lebensart.

Es folgt ein ausgedehntes Picknick im Park, nach dem wir mit dem Bus zurück in die Stadt fahren.

Hier gönnen wir uns als Dessert noch ein Eis in der Weihnachtsgasse.

Im Sonnenuntergangslicht schlendern wir schließlich noch am Elizabeth Quay entlang.

Unser Ziel ist das Rathaus, wo heute der erste Tag der Weihnachtslichter am Postgebäude ist, wie mir das stadteigene WLAN verriet. Ich erwarte ein Spektakel in der Art, wie es in Melbourne war und werde nicht enttäuscht. Allerdings war es in Melbourne doch etwas besser.

Und so verabschiedet sich Perth von uns, denn am nächsten Tag holen wir unseren Campervan ab und starten unseren Roadtrip entlang der Westküste!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.