16 Dez

Perth bis Geraldton – durch Jahrmillionen alte Steinformationen zum Ende der Welt

Nachdem wir aus unserer Gefängniszelle ausgecheckt haben, nehmen wir den Bus zum Flughafen. Von dort müssen wir noch mit dem Taxi zur Campervermietung fahren und brechen dabei das ungeschriebene Gesetz der Taxifahrer, indem wir versuchen das letzte Taxi in der Reihe zu bekommen. Da meine Mutter wegen eines Ermüdungsbruches im Fuß einen seltsamen Schuh trägt, können wir uns schließlich durchsetzen und müssen nicht mit unserem gesamten Gepäck zum Beginn der Schlange laufen. Die Diskussion mit Aufsicht und Taxifahrern hat allerdings ungefähr genauso lange gedauert aber nachdem ich mich schon so oft über dieses „Gesetz“ geärgert habe, war es mir heute ein Bedürfnis dieses zu brechen und der Sieg gehört mir!

Wir erreichen also die Vermietstation im von uns gewählten Taxi und nehmen unseren Hippie Hitop Campervan entgegen. Die Angestellte nimmt sich viel Zeit für uns und erklärt wie Einiges funktioniert. Tatsächlich ist es für mich das erste Mal, dass ich einen solchen Van miete. Wir bauen das Bett zusammen direkt um, weil es während des gesamten Roadtrips einfach so bleiben wird. Der Camper hat außerdem einen Kühlschrank, der allerdings leider nicht über eine sich beim Fahren wieder aufladende Batterie läuft, sondern über eine, die am Campingplatz geladen werden muss. Endet unser Traum von der Wildnis also bevor er begann? Eingebaut ist außerdem ein toller Gasherd mit 4 Platten und viele Schränke zum Verstauen. Da es ein Hitop ist können wir unsere Koffer im oberen Teil des Autos lagern und müssen nicht ständig herum räumen.
Als wir fertig sind mit Einrichten, rollen wir vom Hof zum nächsten Aldi und kaufen dort groß ein. Danach beginnt der Roadtrip und ein verheißungsvolles Schild begegnet uns beim Verlassen der Stadt.

Vorbei geht es an beeindruckenden Sanddünen im Sonnenuntergangslicht bis zu einem kostenlosen Campingplatz in der Nähe des Nambung Nationalparks.

Wir benutzen die kostenlose App „CamperMate“ um unsere Übernachtungsplätze zu finden. Nach einem kalten Abendessen testen wir auch bereits unsere Schlafkonstruktion.

Am nächsten Morgen brauchen wir viel Geduld für unser Frühstück, weil bei Sonne sogleich zahlreiche Fliegen auftauchen und an den ungünstigsten menschlichen Körperstellen nach Flüssigkeit suchen. So frühstücken wir schließlich lieber im Auto.
Danach brechen wir auf in den Nambung Nationalpark zur Pinnacles Wüste. Am Besucherzentrum erwerben wir einen Parkpass, der uns für 44 Dollar kostenlosen Eintritt in alle Nationalparks in Westaustralien gewährt. Da der Eintritt sonst 12 Dollar pro Fahrzeug beträgt, lohnt er sich schon ab einem Besuch von vier Parks und sorgt auch für ein besseres Gefühl an unbemannten Bezahlstationen. Im Informatonszentrum lernen wir außerdem Theorien über die Entstehung der Pinnacle Säulen, durch die wir anschließend eine Rundfahrt mit dem Auto unternehmen können.

Die Formationen bestehen aus Kalkstein, so viel weiß die Wissenschaft, aber für die Formen an sich gibt es zwei Theorien, in denen Pflanzen eine wichtige Rolle spielen. In beiden Theorien sind Sanddünen aus feinkörnigem Muschelkalksand die Ausgangssituation. Die erste Theorie besagt, dass diese Sanddünen von Pflanzenwurzeln zusammen gehalten wurden. An diesen sollen sich Überreste von Pflanzen und Tieren gesammelt haben. Durch Regenwasser soll das alles zusammengepresst und teilweise wieder ausgewaschen worden sein, sodass die heute sichtbaren Formen entstanden.

Die zweite Theorie besagt, dass die Pinnacles Überreste eines vom Muschelkalksand begrabenen und durch Regenwasser versteinerten Waldes sein sollen.

Ich finde es gibt in den Formationen Hinweise auf beide Theorien und kann mich nicht recht entscheiden welche glaubhafter ist. Aber wenn sich da selbst die Wissenschaftler nicht einig sind, muss ich das auch nicht, sondern kann mich einfach nur an der Vielfalt und der surrealen Landschaft erfreuen.

Verzaubert setzen wir unseren Weg fort und bleiben thematisch weiterhin bei uralten Steinen, nur dass diese nächsten noch leben und wachsen: Stromatholiten!

Am Lake Thetis bauen die ältesten Lebensformen der Erde in mikrobiellen Gemeinschaften Steinformationen und setzen dabei Sauerstoff frei. Diese Cyanobakterien sind dafür verantwortlich, dass die Erdatmosphäre sich vor Milliarden von Jahren wandelte und ermöglichten somit die Entstehung weiterer Lebewesen.

Die Menschheit verdankt ihnen also Einiges und da ist es wohl das Mindeste, dass man nicht auf ihnen herumtrampelt.

Wir fahren weiter die Küste entlang nach Norden und kommen durch Jurien Bay. Hier gibt es einen Schnorchel Trail am alten Steg aber das Wasser ist uns hierfür heute zu unruhig. Der Strand und vor allem die türkisblaue Farbe des Wassers sind aber trotzdem sehr schön anzusehen und so legen wir hier eine späte Mittagspause ein.

Dann wird es auch schon Zeit sich einen neuen Campingplatz zu suchen und wir fahren nach Billy Goat Bay bei Green Head. Da wir den Platz nicht auf Anhieb finden, verirren wir uns erst einmal nach Point Louise an das gefühlte Ende der Welt!

Als wir uns schließlich doch losreißen können, folgen wir dem GPS Signal zu einem Platz, auf dem wir die Einzigen sind und auch bleiben werden. Wir parken direkt mit Blick auf’s Meer und bereiten dort alles für das Abendessen vor.

Dann sehen wir uns noch den Sonnenuntergang an und fallen nach dem Essen ins Bett.

Am nächsten Tag fahren wir weiter an der inzwischen sehr stürmischen Küste entlang bis nach Geraldton. Hier stürmt es sogar so sehr, dass die Bäume es nicht mehr schaffen gerade zu wachsen, sondern relativ zu Beginn abknicken und am Boden weiter wachsen. Es scheint also wirklich immer oder zumindest sehr oft so stürmisch zu sein wie heute und meine Mutter muss das Lenkrad gut festhalten, damit wir nicht von der Straße geweht werden.

Auch in Geraldton könnte man schnorcheln aber das Wasser ist wegen des Windes noch unruhiger als in Jurien Bay. Kitesurfer mögen hier perfekte Bedingungen vorfinden aber wir müssen aufpassen nicht weg gepustet zu werden.

Hier versuchen wir zum ersten Mal unseren im Camper eingebauten Frischwassertank aufzufüllen aber scheitern bereits beim Öffnen des Verschlusses. Dies war nämlich eine Sache, die uns bei der Übernahme des Fahrzeuges nicht demonstriert wurde! Wir treffen zwei Deutsche, was in ganz Australien absolut nichts ungewöhnliches ist, sodass ich mich bereits frage ob überhaupt noch jemand in Deutschland ist. Jedenfalls zeigen sie uns wie es geht und wir setzen unsere Fahrt optimistisch in Richtung des Kalbarri Nationalparkes fort.

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