11 Jan

Kaikoura – Nach dem Erdbeben

Wieder in Christchurch stürmen wir noch ein paar Shopping Center und verlassen die Stadt schließlich in Richtung Norden. Wir lassen uns durch das Erdbeben im November nicht von einem Besuch in Kaikoura abschrecken aber schaffen es nicht sofort bis dorthin. Um die Reise weiterhin entspannt zu halten legen wir einen Stop an einem Campingplatz in (so denken wir) Strandnähe ein, bei Kairaki Beach. So nehmen wir auch nicht viel mit zu unserem kleinen Strandspaziergang. Der Weg durch den Wald stellt sich jedoch als komplizierter heraus als gedacht. Immerhin begegnen wir diesem Prachtexemplar auf unserem ziellosen Irrweg durch das Gebüsch.

Beharrlich behalten wir die vermutete Strandrichtung bei und siehe da, es gibt doch einen Weg und schließlich sehen wir das Meer! Dieses Foto hat Helena wunderschön eingefangen.

Wir spazieren am Strand entlang bis zur Flußmündung und beobachten die fleißigen Angler. Einmal im Jahr gibt es hier sogar einen Angelwettbewerb! Auf dieser Bank könnte ich es mir zum Angeln sogar ganz nett vorstellen.

Als wir schließlich später als geplant von unserer Strand Odyssee zurück kehren ist es Zeit für ein dekadentes Abendessen. Wir braten Kartoffeln mit Brokkoli, Frühlingszwiebeln und Feta und verspeisen alles beim letzten Tageslicht.
Am nächsten Tag setzen wir die Fahrt nach Kaikoura fort. Als uns eine Touristenstraße über den Weg läuft, zögern wir nicht und nehmen den Abstecher zur Küste. Dieser beschert uns den Cathedral Lookout mit faszinierenden Gesteinsformationen.

Am Meer legen wir bei diesem schönen Anblick auch gleich noch eine kleine Picknick Pause ein.

Schließlich kehrt auch der „Tourist Drive“ zur Hauptstraße zurück und wiederkehrende Baustellen mit herabgestürzten Felsbrocken und Rutschungen zeigen, dass wir uns dem Ziel nähern. Die Bahnstrecke bleibt wohl noch etwas länger gesperrt und wir haben Glück, dass die Straße zumindest befahrbar ist.

In der Stadt angekommen führt uns der erste Weg zum Visitor Centre, wo wir eine Karte abstauben und uns über Wanderungen informieren. Auch wenn es ein ungutes Gefühl von Katastrophentourismus hat, frage ich wo man noch verbleibende Schäden des Erdbebens sehen kann und uns wird eine zusammen gebrochene Brücke empfohlen. Hier bekommt man ein Vorstellung von der Kraft des Bebens und kann sich in die Menschen hinein versetzen, unter deren Füßen sich der Boden in dieser Art geöffnet hat.

Wir verlassen die Stadt in Richtung Norden und wollen uns den Punkt ansehen ab dem der Highway 1 gesperrt ist. Weit kommen wir allerdings nicht, denn uns läuft ein kostenloser Campingplatz über den Weg: Meatworks. Für den Camper finden wir so einen tollen Platz, dass wir hier gar nicht mehr weg wollen und es uns für den Abend gemütlich machen. Besser als so direkt am Meer geht es nun wirklich nicht!

Während dem Abendessen können wir immer wieder Hubschrauber beobachten, die zum verschütetten Teil des Highways fliegen und scheinbar Messungen vornehmen. Die Aufräumarbeiten sollen zu diesem Zeitpunkt noch mindestens 6 Monate andauern. Die Berge im Hintergrund, Wiesen und Meer geben dann auch ein sehr schönes Sonnenuntergangspanorama ab, sodass wir alle paar Minuten die Kameras zücken und los sprinten um das Licht einzufangen.

Wir gehen früh ins Bett, damit wir am nächsten Morgen dem Sonnenaufgang eine Chance geben können. Dieser ist dann auch tatsächlich nicht ganz unspektakulär, denn eine Robbe spielt im Morgenlicht in den Wellen. Hätte ich gewusst wie viele Robben der Tag noch bringen wird hätte ich mich allerdings nicht so angestrengt diese aufs Foto zu bekommen!

Zur Morgentoilette fahren wir in die Stadt, denn fließendes Wasser gibt es im Plumpsklo auf dem Campingplatz nicht. Die Toilette in der Nähe des Besucherzentrums kommt uns daher schon fast luxuriös vor. Beim kurzen Fußweg durch die Stadt fallen mir diese Zettel an den Gebäuden auf: sie besagen ob es sicher ist diese nach dem Erdbeben zu betreten. Was für eine Arbeit das für die Statiker gewesen sein muss nach dem Beben jede einzelne Struktur zu überprüfen!

Helena und Michèle möchten gerne eine Walbeobachtungstour unternehmen und buchen schließlich einen Helikopterflug für nachmittags. Ich habe Wale bereits in Island gesehen und spare mir das Geld lieber. Da bis zum Start noch etwas Zeit ist, fahren wir noch zur Halbinsel und kundschaften bereits den Startpunkt der Wanderung aus, die wir später unternehmen wollen. Wir hüpfen ein wenig über die Steine zum Meer und stolpern dabei fast über diesen schlafenden Gesellen.

Gar nicht so einfach den gebührenden Abstand zu halten, wenn hinter jedem Stein eine schlafende Robbe „lauern“ kann. Besondere Vorsicht ist also in der Fortbewegung geboten! Begeistert begeben wir uns immer weiter in die von der Ebbe frei gelegten Steine und begegnen einer Menge Robben.

Schließlich müssen wir uns jedoch los reißen, denn der Helikopter wartet nicht. Wobei, leider wartet er doch, denn die weiteren Teilnehmer des Fluges kommen zu spät. Da die Tour jedoch exakt auf die Auftauchzeiten des gesichteten Wales abgestimmt sind, ist der Pilot nicht glücklich. Der am heutigen Tag in der Bucht gesichtete Wal taucht wohl immer nur für 7 Minuten auf und dann längere Zeit wieder unter. Trotzdem haben Helena und Michèle Glück und können ihn eine Weile beobachten während der Hubschrauber mehrere Kreise zieht. Den Wal im Ganzen von oben zu sehen ist ein Erlebnis, das mir bisher verwehrt blieb aber die Fotos der beiden gewähren mir einen kleinen Einblick. Dieses hier ist von Michèle.

Nach dem Flug fahren wir wieder zum Startpunkt der Wanderung um die Halbinsel, dem Peninsula Walkway.

Dieser beginnt mit einer Vielzahl von Stufen, schließlich muss man auf ein gutes Niveau für diese schönen Ausblicke kommen!

Nach dem Erdbeben sollte man hier eigentlich irgendwo angehobenen Meeresboden sehen können aber leider können wir davon nichts erkennen. Vielleicht liegt es an der Flut, die inzwischen eingesetzt hat? Jedenfalls ist die Anhebung des Meeresbodens auch der Grund, weshalb die Walbeobachtungsboote nur noch bei Flut starten können. Auch haben viele Wale die Bucht nach dem Beben verlassen aber es besteht die Hoffnung, dass sie zurück kehren. Das Beben war jedenfalls ein starker Einschnitt in die Tourismus Einnahmen des Ortes und gerade für den Wiederaufbau wäre es wünschenswert, dass wieder viele Besucher kommen. Leider herrscht bezüglich der Erreichbarkeit des Ortes immer wieder Unklarheit. Von Süden ist es jedoch kein Problem und den Weg von und nach Norden beschreibe ich im nächsten Beitrag.

Am Ende des Weges kehren wir wieder um, da dies der kürzeste Weg zurück zum Auto ist. Außerdem ist das Licht auf dem Rückweg bereits etwas sanfter, da sich der Sonnenuntergang nähert. So kann man die herzförmigen Buchten gleich noch viel besser einfangen.

Insgesamt haben wir für den Weg 2,5 Stunden gebraucht aber auch viele Foto geschossen. Zurück auf dem Parkplatz werden wir von einem Ranger gefragt wo wir mit unserem Shrekthor die Nacht verbringen. Seit dem Erdbeben gibt es hier wohl strengere Regeln für Camper aber als wir wieder Meatworks als Zielort nennen ist er zufrieden. Dort lassen wir uns schließlich vom Wellenrauschen in den Schlaf begleiten.

Am nächsten Morgen starten wir früh, denn wir haben eine lange Fahrt über die Inlandsroute bis nach Blenheim vor uns. Vorher gibt es jedoch noch einen Stop am höchsten Aussichtspunkt der Halbinsel, den man bequem mit dem Auto erreichen kann.

An einem klaren Tag soll man von hier aus sogar die Nordinsel sehen können und nach einer Legende der Maori hat der Halbgott Maui (hallo Moana!) die Kaikoura Halbinsel als Stütze für seinen Fuß benutzt als er von seinem Kanu (Südinsel) aus einen Fisch (Nordinsel) an seiner Angel hatte. Stewart Island ganz im Süden stellt schließlich seinen Anker dar und eine Kette auf der Insel und dem Festland versinnbildlichen diese Darstellung weiter.

Mit diesem letzten Blick über die Stadt und die Halbinsel verabschieden wir uns von diesem schönen Fleckchen Erde.

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