28 Nov

High Country Tour – von Sydney nach Melbourne in zwei Tagen

Für die Tour werden wir morgens am Hostel abgeholt und dürfen zum Glück auch all unser Gepäck mitnehmen. Im Reisebüro wurde uns nämlich noch erzählt, dass diese Tour wieder in Sydney endet aber ein Anruf beim Anbieter zeigte das Gegenteil. Also laden wir unsere großen Koffer in den Anhänger und werden zuerst nach Canberra gebracht. Auf der Fahrt passiert nicht viel und sie dauert 3 Stunden. Immerhin lernen wir in dieser Zeit, dass Canberra nur errichtet wurde, weil sich Sydney und Melbourne nicht einigen konnten, wer Hauptstadt von Australien sein darf. Also wurde mal wieder international ein Architektenauftrag ausgeschrieben, diesmal zum Bau von Canberra, welches zwischen den beiden rivalisierenden Städten liegt – allerdings etwas näher an Sydney. Die Ausschreibung gewann ein Architekt aus Chicago namens Walter Burley Griffin. Bei den ganzen netten Parkanlagen in Chicago hatte ich mir von Canberra deshalb irgendwie mehr erhofft.

Zuerst fahren wir entlang der Anzac Parade, die nach dem australischen und neuseeländischen Army Corps benannt ist. In beiden Weltkriegen haben die Länder zusammen gekämpft. Ein roter Kiesstreifen mit Schotter aus einem Fluss trennt die 3 Fahrspuren vom Gegenverkehr.

Im Vordergrund ist hier das alte Parlamentsgebäude zu sehen, das von 1927 bis 1988 genutzt wurde und der Bau kostete 600.000 Pfund. Dann war es Zeit für das neue Parlamentsgebäude, welches 1988 mit 5 Monaten Verspätung eröffnet wurde und dessen Bau 1,1 Milliarden AUD kostete. Es ist somit das teuerste Gebäude in ganz Australien! Auch dieses wurde von einem Amerikaner entworfen und besitzt allerlei Schnickschnack. Bereits vor dem Haus ist auf dem Boden ein Mosaik zu finden, welches einen Treffpunkt darstellen soll, da dies die Übersetzung von Canberra aus der Sprache der ansässigen Aborigines ist. Die Steine sind von Hand in Form gebracht und ihre Farben sollen an die Kunst der Aborigines erinnern. Jedoch mussten diese aus unergründlichen Gründen importiert werden, da es in Australien nicht möglich war sie herzustellen. Inwiefern das dann noch Aborigine Bezug haben kann ist mir hier völlig unklar.

Als Nächstes fällt ein großer Fahnenmast auf dem Gebäude ins Auge, der mit 200 Tonnen der schwerste der Welt ist. Die daran wehende Fahne ist so groß wie ein halber Tennisplatz und wird monatlich ausgewechselt. Dafür gibt es im Inneren des Stahlgestells sogar einen speziellen Fahrstuhl.

Beim Betreten des Gebäudes fällt auf, dass das Innere aus viel Marmor besteht.

Generell ist das Haus nicht aus heimischem Material gebaut, weil das Land noch nicht so alt ist und man nicht wusste wie lange die hiesigen Steine halten würden. Daher wurde also hauptsächlich Beton für den Außenbereich verwendet und für innen feinster Marmor aus Italien importiert. Man kann sogar noch Urtiere darin finden.

Ein weiteres Kuriosum ist die große Halle (great hall). Sie kann von jedem Australier für Veranstaltungen gemietet werden. Hauptsächlich finden hier aber Veranstaltungen statt, die für das Land von Bedeutung sind.

Der Boden ist ausnahmsweise aus heimischem Holz, bzw. der schwarze Streifen ist ein Geschenk der Neuseeländer und ein besonders seltenes Holz.

Unsere Führung geht zuerst ins Upper House. Auf dem Weg dorthin fallen uns zwei Lichter an den Uhren auf. Ein rotes für das Upper House und ein grünes für das House of Representatives. Wenn eines davon zur Abstimmung ruft, leuchtet das entsprechende Licht 4 Minuten lang. Dies ist die Zeitspanne, in der die Abgeordneten sich im Raum eingefunden haben müssen, um abstimmen zu können. Schaffen sie es nicht, sind die Türen verschlossen und sie sind von der Abstimmung ausgeschlossen.
Das Upper House ist rot, bzw. sieht eher etwas pink aus und soll aber den Ockerton des Outbacks darstellen.

Neben dem Wappen stehen dekorativ ein Emu und ein Känguru. Diese heimischen Tiere können sich nicht rückwärts bewegen und sollen daher die Repräsentanten des Landes zum Fortschritt motivieren.

Im Upper House werden neu entworfene oder geänderte Gesetze genehmigt – oder auch nicht. Entworfen werden diese vom House of Representatives. Der Grünton soll an Eukalyptus erinnern.

Die Mitglieder dieses Plenums werden vom Volk gewählt. Mit Erreichen des 18. Lebensjahres kann sich jeder Australier als Wähler registrieren lassen. Nur dann kann man wählen und wenn man es nicht tut, gibt es sogar eine Strafe! Alle Sitzungen dieses Hauses werden im australischen Fernsehen übertragen. Treffen hinter verschlossenen Türen sind hier also nicht so einfach.

Nach diesem interessanten Einblick in die australische Politik treffen wir unseren neuen Führer für den Rest der Tour bis nach Melbourne – Jeremy. Er lädt uns erst einmal für eine Stunde am Kriegsdenkmal ab, wo wir die Geschichte beider Weltkriege aus Sicht der Australier nachvollziehen können.

Das junge Land Australien war in den beiden Weltkriegen sehr bemüht seine Loyalität zu England unter Beweis zu stellen und kämpfte dabei auf der Seite der Alliierten hauptsächlich im pazifischen Raum. Im zweiten Weltkrieg gab es ein Manöver auf der türkischen Halbinsel Gallipoli, das nicht so ganz gelang und viele Opfer forderte. Die Darstellungen sind jedenfalls sehr interessant und Videos mit Frontverlauf auch sehr anschaulich demonstriert.

Den Rest des Tage verbringen wir mal wieder nur noch mit Fahren, denn wir übernachten auf einer Farm, zu der es noch ein Stück Weg ist. Wir kommen gegen 18 Uhr dort an und es gibt sogleich Abendessen. Danach versuche ich noch ein Sonnenuntergangsfoto, bei dem das Pferd allerdings nicht so ganz mitspielen will, nicht die von mir vorgesehene Position einnimmt und schließlich sogar wegläuft. Daher Foto ohne Pferd.

Danach freunde ich mich noch mit dem hofeigenen Hund an und wir beobachten wie die Ziege gemolken wird, während wir mit der Dame des Hauses quatschen.

Nachts zeigt mir Jeremy wie ich meine Kamera einstellen muss, um die Sterne zu fotografieren. Dieses Bild gefällt mir schon mal ganz gut so als kleine Übung für das Outback.

Und auf diesem könnte man sich sogar eine Sternschnuppe einbilden. Der helle Punkt rechts im Bild ist allerdings der Mars und nicht, wie man vermuten würde, der Mond.

Am nächsten Tag gibt es ein leckeres Frühstück mit hofeigenen Eiern bevor wir zur Weiterfahrt aufbrechen. Der erste Stopp des Tages ist im Dörfchen Beechworth. Dieses ist berühmt für Honig und so probiere ich im lokalen Shop das Macadamia Honig Eis – sehr lecker!

Der Ort erinnert etwas an eine Western Stadt. Man muss es sich nur mit Pferden statt Autos denken.

Dann geht es auch schon weiter über Land und auf einmal legt unser Fahrer eine Vollbremsung hin, weil er am Straßenrand etwas erspäht hat – ein Echidna! Es handelt sich hierbei um einen Ameisenigel, der mit seinem Rüssel Ameisen aus ihren Löchern saugen kann. Bei Gefahr rollt er sich komplett ein und klammert sich am Boden fest. Er ist neben dem Schnabeltier das einzige Tier, das Eier legt und die geschlüpften Nachkommen anschließend säugt.

Unser nächster Halt ist im Mansfield Zoo. Hier hatten Privatleute scheinbar Spaß daran sich ihren eigenen Zoo aufzubauen und man kann sehr viele Tiere füttern, z.B. den Emu, der das Futter sehr sanft aus meiner Hand pickt.

Hier bekommen wir auch endlich einen Dingo zu sehen und er wird sogar draußen herum geführt, sodass man ihn streicheln darf! Nach all den Horrorstories auf Fraser Island traue ich mich gar nicht, mich zum streicheln auf sein Level zu begeben aber natürlich ist dieser komplett ungefährlich.

Schließlich beobachten wir noch die Fütterung der weißen Löwen und machen uns wieder auf den Weg. Unterwegs gibt es noch einen Halt am Aussichtspunkt über die Landschaft.

Und dann kommen wir auch bereits in Melbourne an und beziehen das relativ luxuriöse aber teilweise noch im Bau befindliche Hostel. Das letzte unserer gemeinsamen Reise entlang der Ostküste!

Rückblickend gesagt bestand diese Tour wirklich zum größten Teil aus Fahren. Das hätte man aber im Greyhound Bus selbst luxuriöser haben können (mit WLAN und USB-Ladebuchsen) und dann wäre auch noch der ein oder andere Zwischenstop möglich gewesen. Noch einmal würde ich es nicht so machen aber so wurden mir 10 Tage auf einer Farm ermöglicht, die als Entspannung vor der Reise an die Westküste auch nötig waren.

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