07 Nov

Fraser Island Teil 2 – Der Strand ist mein Highway

Am nächsten Tag probieren wir Vegemite vom Frühstücksbuffett. Das ist der berühmte Brotaufstrich der Australier, bestehend aus Hefe und Malz. Entsprechend schmeckt es auch und da ich wohlweislich nur ein kleines Eckchen meines Toast damit bestrichen habe, muss ich auch nicht allzu viel davon nach dem ersten Bissen entfernen. Igitt!

Nach dieser Erfahrung rollen wir wieder in Miss Piggy über den Rollercoaster Hill und einmal quer über die Insel bis zum 75 Mile Beach, der eigentlich nur ca 60 Meilen lang ist. Hier kommen wir sehr bald zu einem Angebot, das ich nicht ablehnen kann: scenic flights mit der inseleigenen Fluglinie Air Fraser. 15 Minuten für 80 Dollar ist ein totales Schnäppchen und wir schlagen zu. Diese Maschine trägt uns15 Minuten lang über die Insel.

Von hier oben kann man den langen Strand besonders gut erkennen.

Wir sehen auch die großen Sandblows, das sind Bereiche, in die Sand vom Ufer hinein geweht wurde, weil die Böschung nicht dicht genug bewachsen war.

Außerdem sehen wir sogar Schildkröten, Haie und Delfine aber zu kurz um sie zu fotografieren. Das hat sich also schon mal gelohnt und war außerdem mein erster Flug in so einem kleinen Flugzeug. Start und Landung waren also sehr spannend für mich aber der Pilot hat das gut gemacht.
Nach diesem tollen Erlebnis hüpfen wir wieder in unseren Bus und fahren weiter über den weichen Sand zum Schiffswrack der Maheno. Wir haben das Glück, dass wir gerade als einzige dort sind und so kann ich ungestört Fotos machen.

Im Jahr 1935 lief an der Ostküste der Insel der ehemalige Luxusliner S.S. Maheno während eines für die Jahreszeit untypischen Zyklons auf Grund. Die Maheno sollte in Japan verschrottet werden und wurde dazu von einem kleineren Schiff gezogen. Um den Strömungswiderstand zu verringern, hatte man der Maheno Schrauben und Ruder ausgebaut, wodurch sie in dem Sturm nicht mehr selbst manövrieren konnte. Versuche, das gestrandete Schiff loszubekommen, scheiterten.

Für die weitere Fahrt am Strand entlang sichere ich mir den Platz vorne neben unserem Fahrer um ein paar Fotos vom Strand zu machen, der gleichzeitig Highway ist.

Ich finde es sehr beeindruckend, dass man hier bestraft werden kann, wenn man schneller als die Geschwindigkeitsbeschränkung fährt und fotografiere die zugehörigen Schilder.

Heute kommen wir nur leider nicht so gut voran, weil der Sand von der Flut recht weich ist. Normalerweise darf man auch 2 Stunden vor der Flut, während der Flut und 2 Stunden nach der Flut nicht auf dem Strand fahren aber wir haben natürlich eine Sondergenehmigung für die Tour.
Mit der Zeit kommt das Wasser auch immer näher und es bleibt nur noch ein schmaler Fahrstreifen für uns und den Gegenverkehr.

So erreichen wir im zweiten Anlauf (auch Miss Piggy schafft nicht jede Steigung im Sand sofort) gegen 12 Uhr den Parkplatz der Champagne Pools. An einem „schlechten Tag“ kommt die Tour dort schon mal gegen 11:15 an. Heute ist scheinbar ein richtig schlechter Tag und wir mussten unterwegs auch noch einem gestrandeten Bus einer anderen Firma Starthilfe geben. Die Champagne Pools sind Felsenpools, die von Meereswasser überspült werden und in denen man baden kann. Das ist nämlich sonst im gesamten, die Insel umgebenden Meer verboten wegen der starken Strömungen, die einen schnell ins Meer ziehen können.

Hier hüpfen wir also ein wenig über die Wellen, die in die Pools strömen und ich mache auch ein Video.

Auf dem Rückweg zum Bus sehen wir noch eine Schildkröte, die ich mit meinem Zoom so lange verfolge bis sie endlich den Kopf zum atmen aus dem Wasser steckt.

Von hier können wir auch bereits unser nächstes Ziel sehen – Indian Head. Captain Cook nannte diesen Berg so, weil er für ihn aussah wie der Kopf eines Indianers.

Diesen erklimmen wir als nächstes und angeblich gibt es in weiter Ferne auch einen Hai zu sehen aber ich habe keinen Erfolg. Vom Flugzeug aus waren sie auch bestimmt viel besser zu sehen. Der Ausblick in Richtung Land ist aber auch viel überzeugender und ich lasse mich zu einem Panoramafoto hinreißen.

Auf dem Rückweg entlang des Strandes lesen wir noch ein paar gestrandete Passagiere aus einem anderen Bus auf und stoppen schließlich noch bei dem farbigen Sand der Pinnacles. Die Farben entstehen durch Mineralien im Sand, die an der Luft aufgrund von Sauerstoff oxidieren.

Unser letzter Stop des Tages ist mit etwas Action verbunden, die für mich leider früher als geplant statt findet. Wir können den Eli Creek auf Schwimmreifen hinunter fahren, was mich sehr begeistert, sodass ich mir den ersten Reifen schnappe. Vorher muss aber ein kurzer Toilettenstop eingelegt werden und nachdem ich mich erleichtert habe lasse ich den Blick nach links an die Wand der Toilettenkabine schweifen und sehe DAS

Eine riesige Huntsmen Spinne! Meinen spitzen Schrei kann man bestimmt bis nach Deutschland hören und sofort fragt die Dame aus der Nebenkabine ob alles in Ordnung wäre. Sie erzählt mir durch die Wand, dass sie zuerst in meine Kabine gehen wollte und sich aber aufgrund der Spinne anders entschieden hatte. Vielen Dank für die Vorwarnung! Ab jetzt werde ich mir jede Toilettenkabine genau ansehen BEVOR ich sie betrete! Die Spinne ist jedoch zum Glück sehr entspannt und wird auch durch mein Geschrei nicht aufgescheucht. Sie ist nachtaktiv und verlässt sich tagsüber auf ihre Tarnung. Sie könnte zwar beißen, ist aber nicht giftig und anfassen möchte ich sie nun auch wirklich nicht.

Nach dieser ungeplanten Aufregung nun also zum entspannteren Teil. Das Wasser des Flusses ist ziemlich kalt, sodass ich sehr froh bin durch den Reifen nicht allzu sehr damit in Berührung zu kommen.

Es macht Spaß aber ich habe leider nur Zeit für eine Runde, da es schon ziemlich spät geworden ist. So legen wir den Rest des Rückweges zum Resort im Dunklen zurück. Schon leicht unheimlich, wenn man bedenkt was sich alles nachtaktiv draußen herum treibt. Der Weg zieht sich auch sehr. Für 5 Kilometer kann man hier schon mal eine halbe Stunde brauchen. Unser Fahrer vertreibt uns die Zeit mit einer Geschichte über die Entstehung der Insel, welche von deren Ureinwohnern, den Butchulla stammt. Sie nannten die Insel „K’gari“ und beschreiben ihre Entstehung wie folgt:
Der Weltschöpfer Beeral sandte zwei Boten aus, die den Auftrag hatten, die raue Erde in ein Paradies zu verwandeln. Das männliche Wesen Yindingie und das weibliche Wesen K’gari schufen ein irdisches Paradies. In einer Darstellung fiel K’gari erschöpft an einer Bucht in Schlaf. Während sie schlief, zog er ihr die Regenwälder als Kleider an und bemalte ihren Körper in den Farben des Regenbogens, ihren Augen verlieh er den Glanz und Glitzer der Seen auf der Insel. Den Himmel über ihr dekorierte er mit wundervollen Vögeln.
Als K’gari erwachte, sah sie sich um und es gefiel ihr alles so gut, dass sie Yindingie darum bat auf der Erde bleiben zu dürfen, da sie im Paradies angekommen sei. Da sie ein Geist sei, so Yindingie, müsse er sie vergegenständlichen, damit sie auf der Erde bleiben könne und schuf aus ihrem Körper Fraser Island.

Nach dem Abendessen verkrümeln wir uns aufgrund des langen und aufregenden Tages recht schnell in unsere Betten.

2 Gedanken zu „Fraser Island Teil 2 – Der Strand ist mein Highway

  1. jetzt hab ich es mal auf dem tablett angeschaut, da meckert nix wegen der photos….und die bilder sind von haus aus größer als per handy und sooooo toll!!!! Video is natürlich noch cooler, ich fühl mich direkt drin 😄😄

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