06 Nov

Fraser Island Teil 1 – Ein Regenwald auf der größten Sandinsel der Welt

Kurz nachdem der Greyhound uns in Hervey Bay abgeladen hat werden wir von einem Shuttle Bus des Kingfisher Bay Resorts abgeholt und zur Fähre nach Fraser Island gebracht.

Die Überfahrt dauert circa 50 Minuten und wir sehen leider keine Delfine. Ein kleiner Zug bringt uns zur Rezeption und wir erhalten eine kure Einweisung im Resort. So erzählt uns einer der dortigen Ranger wie man sich im Fall einer Begegnung mit Dingos verhalten soll. Die Tiere akzeptieren Dominanz und wenn man sich aufrecht hinstellt und die Arme verschränkt finden sie einen schnell langweilig und trollen sich. Schließlich dürfen wir noch Krokodil probieren – lecker!

Anschließend warten wir auf einen nächsten Zug, der uns in unsere Zimmer hinter dem sogenannten „heart attack hill“ bringt. Der Name erklärt auch warum wir den Zug nehmen, denn einen Herzinfarkt beim hinauf laufen wollen wir nicht riskieren. Abends laufen wir ihn jedoch wieder hinunter um uns den Sonnenuntergang am Steg anzusehen. Die dortige happy hour erlaubt es uns einen Cocktail für 10 statt sonst 12 Dollar zu erstehen (ein Schnäppchen?!) und so genießen wir erneut einen Sonnenuntergang quasi über dem Meer. Wen wird denn das kleine bisschen Land da hinten schon stören?

Am nächsten Tag beginnt unsere 3-tägige Tour auf Fraser Island mit Cooldingo. Wir kapern unseren coolen pinken Allradbus „Miss Piggy“ und rattern über den sogenannten „Rollercoaster Hill“ in die Wildnis der Insel hinein.

Wie auf einer Achterbahn fühlt man sich tatsächlich während der Bus sich seinen Weg durch den Sand bahnt. Über einen Monitor können wir den Weg aus der Fahrerperspektive sehen.

Unser Fahrer Tom erklärt uns wie ein Regenwald auf Sand möglich ist: zuerst wachsen kleine, wenig anspruchsvolle Pflanzen, wie zum Beispiel diese flauschigen Fuchsschwänze.

Sie heißen so, weil sie eine rötlich-braune Farbe annehmen, wenn sie vertrocknen. Diese Pflanzen können Stickstoff aus der Luft aufnehmen und dem Boden zuführen. Wenn sie sterben bilden sie außerdem Humus, der als Nährboden für größere, anspruchsvollere Pflanzen dient. So findet der Regenwald schließlich seinen Weg den Sand zu umgehen und trotzdem wachsen zu können. Dieser Humus ist sogleich auch ein Versickerungsschutz für das Wasser und daher gibt es mehrere Süßwasserseen auf der Insel, die alle aus Regenwasser bestehen. Einer davon ist unser erster Stopp, der Lake Mackenzie.

Ich kann mich gar nicht satt sehen an diesem klaren blauen Wasser und wir veranstalten ein kleines Fotoshooting.

Wenn ich schon im kalten Wasser des Millaa Millaa Falls kein Hairflip Foto gemacht habe dann jetzt wenigstens hier

Zum Schwimmen ist der See auch sehr angenehm und so vergeht die Zeit bis zum Mittagessen sehr schnell.

Auf dem Weg zu unserem nächsten Halt erzählt uns unser Guide genaueres über Dingos und warum sie eventuell für Menschen gefährlich werden können. Wie wir bereits gelernt haben leben Dingos nach dem Dominanzprinzip. Dominante Dingos können Essen von unterwürfigen Dingos klauen und diese wehren sich nicht, da sie sonst vom stärkeren Dingo verprügelt werden. Ist also ein bisschen wie auf dem Schulhof. Wenn sich nun ein Dingo in der Nähe von Menschen mit Essen aufhält, haben diese vielleicht Mitleid, weil er so abgemagert aussieht (Dingos sind von Natur aus sehr dürr) und geben ihm etwas von ihrem Essen. Sie verhalten sich also unterwürfig. Nun kommt dieser Dingo erneut zu Menschen und diese geben ihm vielleicht nichts ab, verhalten sich also dominant. Der Dingo wundert sich und meint er müsse sie nun verprügeln um ihnen zu zeigen wo ihr Platz in der Rangordnung ist. So kommt es dann zu Angriffen. Hat ein Dingo einen Menschen gebissen so muss er von den Rangern erschossen werden. Die Menschen, die ihm also aus Mitleid Essen gegeben haben, schickten ihn in den sicheren Tod. Würden Menschen die Dingos also insgesamt in Ruhe lassen und nicht mit ihnen interagieren, so gäbe es auch keine Probleme.

Der nächste Stopp ist der grüne Lake Basin, der im Vergleich zum Lake MacKenzie eher langweilig aussieht.

Von hier aus unternehmen wir eine kleine Buschwanderung und sehen immer wieder Löcher im Boden, die sogenannte Falltüren sein sollen. Darüber ist ein Netz gewebt und im Loch lauert eine Spinne auf potenzielle Beute. Unser Führer rät uns nicht die Finger dort hinein zu stecken.

Auf dem Weg merkt man leider kaum noch, dass der Regenwald auf Sand wächst, weil so viele Blätter auf dem Boden liegen. Aber diese werden schließlich zu Humus und neuem Nährboden für den Regenwald, also ist das in Ordnung.
Der Weg führt uns vorbei an glatten Bäumen mit weißen Stämmen und unser Führer erklärt, dass dies eine Eukalyptusart ist, die hier zu Testzwecken gepflanzt wurde. Sie schlägt sich scheinbar ganz gut und wirft außerdem einmal jährlich ihre Rinde komplett ab. Ein ungewöhnlicher Anblick inmitten des sonstigen braun und grün.

Schließlich kommen wir nach Central, einer früheren Station für Holzfäller. Dort fuhren mehrere Züge und lebten früher die Holzfäller mit ihren Familien. Singles wurden nicht genommen, weil bei ihnen die Gefahr bestand, dass sie die Insel verlassen würden um Familie zu gründen. Wenn die Familie aber mit auf der Insel war, konnte das eher nicht passieren. Es gab hier Schulen und eine gesamte Infrastruktur um die Bedürfnisse dieser Menschen zu decken. Heute ist davon kaum noch etwas zu sehen. Wir entdecken jedoch ein paar Pinienarten, die auch zu Testzwecken gepflanzt wurden. Spannend sind hier die Ringe an den Stämmen, die zeigen wo sich früher einmal Äste befanden. Diese wurden im weiteren Wachstum abgeworfen, weil sie zu viel Energie verbrauchten und außerdem unnötig geworden waren, weil weiter oben gelegene Äste an mehr Licht für Photosynthese gelangten.

Die weitere Wanderung führt uns entlang des silent creek. Wie der Name bereits verrät ist dies ein stiller Fluss ohne Wassergeplätscher.

Es handelt sich hierbei nicht um ein stehendes Gewässer mit einer ekligen Schleimschicht oben drauf, sondern um ein fließendes, klares Gewässer mit hellem Sandboden. Da unsere Augen so etwas jedoch nicht gewöhnt sind entsteht die zuerst genannte optische Täuschung. Diese nehme ich und auch einige andere im weiteren Verlauf noch einige Male wahr.

Als unser Weg von einer riesigen schaukelförmigen Liane blockiert wird kann ich einfach nicht widerstehen. Und sie hält!

Fraser Island und Umgebung ist das einzige Gebiet, in dem riesige Terpentine oder Satinay genannte Bäume wachsen. Die Holzfäller haben sie zuerst nicht angerührt, weil das bei Verletzung austretende Harz wie Terpentin riecht. Als sie diese aber doch mal benutzten, stellten sie fest, dass sie gegen den marinen Bohrwurm resistent sind und daher bei Verwendung für Konstruktionen im Wasser nicht ständig ersetzt werden müssen. Seitdem ist dies ein sehr teures und beliebtes Holz, das unter anderem im Parliament House in Canberra verbaut wurde (obwohl da kein Meer in nächster Nähe ist). Diesen Baum können wir erst zu fünft komplett umfassen.

Auf dem Rückweg zum Resort sehen wir, dass das Licht auf dem Boden orange erscheint und unser Führer erklärt, dass dies bedeutet irgendwo wäre ein Feuer. Die Ranger auf der Insel legen regelmäßig Feuer, weil die Bäume das brauchen. Hier wachsen feuerresistente Bäume und die Feuer zerstören die nicht feuerresistenten Bäume, sodass die ursprüngliche Flora erhalten bleibt. Das ist notwendig, denn diese bildet die Lebensgrundlage für die heimischen Tiere. Außerdem gibt es Bäume, die ihre Samen erst nach einem Feuer verteilen und Samen, die inaktiv auf oder in der Erde liegen und erst durch die Hitze eines Feuers zu sprießen beginnen. Ein bisschen wie unser heimischer Pflücksalat, dessen Samen eine Kälteperiode oder ein paar Tage im Kühlschrank brauchen bevor sie sprießen. Schließlich passieren wir den Dingozaun, der das Resort umgibt, sehen uns einen weiteren Sonnenuntergang an, der genauso aussieht wie der am Vortag und genießen unser Abendessen vom Buffett.

2 Gedanken zu „Fraser Island Teil 1 – Ein Regenwald auf der größten Sandinsel der Welt

  1. Wow – das ist schon sehr vorteilhaft, so einen guide zu haben… Ist ja ne richtige lehrstunde mit tollen fotos 😊
    Wenn ich diese allerdings vergrößern möchte, schimpft mein Handy, dass diese „umleitungsseite“ mit Viren behaftet sei 😕… Freu mich schon auf den nächsten teil

    • Ja, von so einem Guide kann man schon viel lernen 🙂
      Ich habe gerade mal ein paar Fots getestet und bei mir funktioniert alles. Die Links leiten alle zu Photobucket.

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