01 Jan

Das südliche Westaustralien – von Pemberton bis Albany

Bei grauem Himmel und Nieselregen fahren wir am nächsten Morgen zuerst nach Pemberton und decken uns im Visitor Center mit Informationen ein. Weil die beratende Mitarbeiterin uns nicht so richtig mitreißen und begeistern kann, trödeln wir noch etwas herum und erhitzen unsere Reste vom Abendessen auf dem öffentlichen Barbecue direkt daneben. Dabei kann man sich immerhin auch etwas aufwärmen, denn vom Norden sind wir noch ziemlich sonnenverwöhnt und daher etwas verfroren.

Schließlich kratzen wir doch alle unsere Motivation zusammen, trotzen dem grauen Himmel und fahren zuerst in den Gloucester National Park zum Gloucester Tree. Mit unserem Park Pass können wir kostenlos hinein (der Eintritt kostet sonst 12 AUD) und stehen sogleich vor dem beeindruckenden Baumriesen.

Dieser wurde von 1941 bis 1972 in jedem Sommer, zusammen mit zwei anderen Bäumen, als Fire Lookout verwendet. Also saß dort oben ständig jemand, der nach möglichen Buschbränden Ausschau hielt und im Ernstfall Alarm schlagen konnte. Die allererste Besteigung führte der Förster Jack Watson durch, um die Eignung des Baumes als Fire Lookout zu prüfen. Er benötigte damals 6 Stunden für den Auf- und Abstieg von 58 Metern Höhe!
Todesmutig wagen wir uns auf die ersten Nägel und planen jedoch nicht alle 153 Stück bis zur Aussichtsplattform zu bewältigen. Das Sicherheitsnetz am äußeren Rand und die leicht treppenartige Anordnung der Nägel sorgen jedoch für ein sicheres Gefühl und so klettern wir immer weiter.

Nur bei Gegenverkehr wird mir etwas flau in der Magengegend, wenn ich für einen kurzen Moment meinen Nagel mit einer zweiten Person teilen muss! Aber zum Glück sind diese Nägel tief in den Baum getrieben und so kommen wir schließlich sicher oben an. Der Ausblick entschädigt auch auf jeden Fall für die Anstrengung!

Der Abstieg ist dann sogar weniger schlimm als befürchtet, denn es gibt keinerlei Gegenverkehr. Ich bin auch nicht wirklich scharf drauf, selbst die Person Nummer zwei zu sein, die beim vorbei klettern auf dem äußeren Teil des Nagels stehen muss!

Dieses Abenteuer hat unsere müden Geister wieder zum Leben erweckt und so steigen wir motiviert ins Auto um den 86 km langen Karri Forest Explorer Trail abzufahren. Dieser führt durch den riesigen Karri Wald in der Umgebung.

Karri Bäume sind die zweithöchsten Bäume der Welt nach den kalifornischen Redwood Trees. Sie haben einen großen und geraden Stamm, der in verschiedenen Farbtönen daher kommen kann, wie zum Beispiel weiß, orange, pink und braun.

Neben den Karri Bäumen gibt es hier auch witzige Graspalmen, deren Blütenstengel viel größer werden können als die Palme selbst!

Wieder auf einer Teerstraße angekommen sehen wir schließlich links und rechts auf den Wiesen eine Herde von Kängurus. Wo in Deutschland Kühe grasen sind es hier also Kängurus, die somit einen für uns ungewöhnlichen Anblick darstellen.

Schließlich kann man auf dem Weg auch noch einen kleinen Abstecher in den Beedelup Nationalpark und einen Spaziergang zum gleichnamigen Wasserfall unternehmen. Ich kann mich jedoch nicht recht entscheiden ob ich die Hängebrücke oder den Wasserfall selbst spektakulärer finde.

Diese Nacht verbringen wir auf einem Campingplatz im Warren Nationalpark und schlafen idyllisch direkt neben dem Fluss. Den Camper müssen wir dafür jedoch mit Kocher und Teelichtern etwas einheizen.

Am nächsten Morgen sieht der Himmel zum Glück wieder freundlicher aus und wir brechen nach dem Frühstück in Richtung Northcliff auf, wo wir im Visitor Center diesmal von einer motivierteren Dame beraten werden. Es ist Silvester aber leider nimmt sie uns sämtliche Hoffnungen auf ein Feuerwerk, denn ein Solches gibt es wohl nur in Margaret River und Pemberton – dorthin wollen wir nun eher nicht zurück. Zuallererst folgen wir jedoch ihrem Tipp für eine Dusche und begeben uns zum sehr abgelegenen Sid’s Campground, wo uns ein abenteuerliches Duschhäuschen erwartet. Aber nach knapp einer Woche ohne ist man da auch nicht mehr so wählerisch…
Erfrischt und sauber machen wir uns auf den Weg nach Süden nach Windy Harbour. Dies ist der einzige Ort mit Küstenzugang zwischen Augusta und Walpole. Dort liegt der Entrecasteaux National Park, der uns am Salmon Beach Lookout mit dieser fantastischen Aussicht begrüßt.

Hat man hier schon eine ganz nette Aussicht auf den Strand so wird das Ganze vom gut platzierten Picknicktisch am Tookulup Lookout noch getoppt. Natürlich wird dieser auch gleich von uns für ein Picknick genutzt.

Am letzten Spot des Nationalparks, dem Point d’Entrecasteaux, wird es kurz spannend als ein paar Leute vor uns eine Schlange entdecken. Wir sind leider zu spät aber auf ein solch giftiges Exemplar kann ich auch verzichten. Auf dem Rundweg treten wir daher besonders laut und fest auf den Boden um sämtliches Getier zu verscheuchen. Das hoch angepriesene „Nature’s Window“ ist dann leider auch eher unspektakulär. Aber der Süden des Landes muss natürlich alles versuchen um mit dem Norden mitzuhalten…

Weiter geht es nun also nach Walpole zum Giant Tingle Tree. Ein circa 20-minütiger Weg führt durch den Wald zu diesem beeindruckenden Baumriesen mit geöffnetem Stamm.

Der Rückweg zum Parkplatz dauert ungefähr genauso lange und ist mit einigen Informationstafeln zum Wald bestückt. Nach diesem Abstecher ist es schon relativ spät und so fahren wir zu einem öffentlichen Grill um unser Abendessen zu erwärmen. Dabei können wir eine kleine Silvesterparty des nebenan liegenden Campingplatzes mit einem Eagles Konzert auf großer Leinwand beobachten. Schließlich reißen wir uns allerdings vom nachfolgenden Kinderfilm „Gruffalo“ los und machen uns im Dunklen auf den Weg zum kurz vorher online ausgesuchten Campingplatz, der zum Glück durch lange Öffnungszeiten der Rezeption hervorsticht. Hier können wir auch noch problemlos einchecken und verbringen die Silvesternacht schließlich mit netten Australiern, Neuseeländern und einem nicht enden wollenden Nachschub an selbst gebackener Pizza am Lagerfeuer.

Den Start ins neue Jahr lassen wir langsam angehen und verlassen den Campingplatz daher am nächsten Morgen erst recht spät. Leider haben wir nicht bedacht, dass der 1. Januar ein Feiertag ist und somit auch ganz Australien seine Freizeit nutzen möchte. Am Strand mit den Elephant Rocks westlich von Denmark finden wir daher keinen Parkplatz mehr und müssen auch wegen knapper Tankreserven direkt weiter fahren. Von Denmark aus unternehmen wir noch eine kleine Strandrundfahrt, die uns im Visitor Center empfohlen wurde. So beobachten wir am Ocean Beach ein wenig die Surfer.

Über Stock und Stein geht es weiter zum Shelley Beach. Da die Straße Grund zur Sorge um die Reifen des Campers liefert, begnügen wir uns mit dem Lookout und fahren nicht bis runter an den Strand. Die Aussicht lohnt sich aber auch schon!

Hier gibt es auch zwei Startrampen für Paraglider und Parasailer. Entsprechend viele davon können wir auch bei ihren wendigen Manövern beobachten.
Mit dem Eindruck am Ende der Straße das Auto direkt ins Meer zu steuern, fahren wir weiter zum Cosy Corner Beach.

Hier ist der Name Programm, denn die Baumkronen sorgen für ein kuscheliges Gefühl auf der überdachten Straße.

Auch der Strand selbst sieht sehr schick aus aber für eine Pause ist es hier leider gerade viel zu stürmisch.

Wir schauen kurz bei einem kostenlosen Camingplatz vorbei um uns einen Platz für die Nacht zu „reservieren“ – wir haben mal kurz mit unseren ausgesuchten Nachbarn gesprochen – und fahren weiter nach Albany. Letzter Programmpunkt für heute ist der Torndirrup Nationalpark mit seiner neuen, spektakulären Aussichtsplattform „The Gap“. Hier kann man aus 40 Metern Höhe den unbändigen Wellen dabei zusehen wie sie beständig gegen die Wände dieses Kanals aus Granitgestein schlagen.

Bei rauer See kann die Gischt da sogar bis zur Plattform hinauf sprühen aber dafür hatten wir „leider“ zu gutes Wetter.
Eine weitere Sehenswürdigkeit im Park ist die Natural Bridge. Das Gestein wurde hier vom Ozean über viele Jahre beständig ausgewaschen, sodass eine Brücke entstand. Überall findet man Warnschilder, die einen daran erinnern, dass hier jederzeit Riesenwellen auftreten können und man sich deshalb bitte nicht auf der Brücke aufhalten soll. Es gab auch schon einmal eine spektakuläre und zum Glück erfolgreiche Rettungsaktion. Trotzdem ist der Zugang zur Brücke nicht abgesperrt und einige Besucher treiben sich doch darauf herum.

Zuletzt unternehmen wir noch eine kleine Wanderung zu den Blowholes. Von entgegenkommenden Leuten erfahren wir, dass die Blowholes wohl nur 2 mal im Monat tatsächlich Wasser ausstoßen und verzichten daher auf die vielen vor uns liegenden Stufen. Immerhin haben wir noch ein paar flauschige und fotogene Pflanzen entdeckt.

Ein Besuch im Park lohnt sich wohl generell eher nur bei stürmischeren Konditionen, weil die Wellen dann noch spektakulärer gegen das Gestein schlagen und möglicherweise auch die Blowholes sprühen.

Wir fahren anschließend zurück zum ausgesuchten Campingplatz und verabschieden uns abends von der Küste, denn am nächsten Tag geht die Reise weiter ins Outback.

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