05 Jan

Australisches Outback – Granite Skywalk, Sternenhimmel und Wellenrutschen auf dem Wave Rock

Heute geht es für uns früh los, denn der Weg ist weit. Wir wollen die 350 km bis zum Campingplatz beim Gorge Rock zum Sonnenuntergang erreichen und zwischendurch eine Wanderung unternehmen. Die zeitliche Einschätzung meines veralteten Offline-Navigationsprogrammes von 6 Stunden ist dabei nicht hilfreich. Scheinbar weiß es noch nicht dass die Straßen inzwischen alle geteert sind, denn wir kommen gut voran. Der Porongurup Nationalpark mit dem Granite Skywalk ist unser erstes Ziel. Davon habe ich in einer Infobroschüre aus dem Visitor Center gelesen und war sogleich von der Wanderung und neuen Aussichtsplattform begeistert. Als die 1200 Millionen Jahre alte und 15 km lange Bergkette in unser Sichtfeld rückt, fahren wir durch bis zum Startpunkt der Wanderung bei Castle Rock. Von dort geht es ungefähr eine Stunde und 4,4 km lang durch schattigen Wald bergauf. Bei den Temperaturen ist der Aufstieg trotz Schatten jedoch eher schweißtreibend.


Als wir schließlich den Wald verlassen, begrüßen uns nackte und runde Granitfelsen. Einer davon ist dieser faszinierende Felsbrocken, der Balancing Rock, der durch nichts aus der Ruhe zu bringen ist.

Weiter geht es also zur Aussichtsplattform. Hierfür ist ein bisschen Kletterei angesagt, bzw. Warten darauf, dass sämtliche Asiaten vor uns die Felsen überwinden. Wir probieren also erst einmal die niedrigere Plattform aus und lassen den Blick über weites, flaches Land schweifen.

Schließlich können auch wir die Kletterpartie bestreiten und haben nun einen Ausblick zur anderen Seite. In der Ferne könnte man sich sogar einbilden das Meer zu sehen…

Eine letzte Hürde gilt es noch zu überwinden: eine Leiter hinauf zum Skywalk. Einige Wanderer scheitern fast an dieser Aufgabe und es ist sehr bewundernswert wie viele Menschen mit Höhenangst diese Herausforderung annehmen!

Da wir direkt neben der Leiter unser Picknick abhalten, geben wir natürlich unser Bestes alle Kletterer zur Bezwingung der Leiter zu motivieren. Tatsächlich ist der Aufstieg weniger schlimm als erwartet und der Skywalk an sich oben sehr spektakulär in die Granitfelsen eingebaut. Hier hat man dann auch einen 360 Grad Rundblick über die weite Landschaft.

Im Nationalpark gibt es noch viele weitere Wanderungen, welche die liebe Petra auf ihrem Blog beschrieben hat. Die letzten beiden Bilder habe ich auch von ihr ausgeliehen, da ich aus unergründlichen Gründen die Leiter und den Skywalk nicht selbst abgelichtet habe. Da war ich wohl zu begeistert von der Aussicht und abgelenkt.
Nun ist es Zeit sich auf den Rückweg zu machen, denn es ist bereits 14 Uhr und wir haben gerade erst einmal 40 km geschafft. Nach weiteren 40 km sehen wir den gewaltigen Stirling Range Nationalpark vor uns auftauchen. Wanderungen hier dauern aber leider alle zu lange und so begnügen wir uns damit die 45 km lange Bergkette von der Straße aus zu bestaunen.

Weiter geht es vorbei an einer holländischen Windmühle mitten im Outback. Ein sehr verwirrender Anblick und gelungener Blickfänger des zugehörigen Guesthouses.

Nach dieser schönen Abwechslung bleibt die Landschaft weitestgehend gleich und die Straße wie immer kerzengerade. Schließlich kommen wir nach Lake Grace und fahren an vielen Salzseen vorbei. Leider ist davon keiner pink, obwohl verschiedene Broschüren und Reiseführer das behaupten Die Angestellten in der Tankstelle wissen es leider auch nicht und ich frage mich ob diese jemals ihren Heimatort verlassen haben oder dies in Zukunft tun werden. Vielleicht ist der pinke See auch wieder nur so ein Mythos oder ein nur bei Sonnenuntergang zu beobachtendes Phänomen. Möglicherweise müssen die Städte im Outback sich auch etwas tolles für die Touristen einfallen lassen, denn sonst würde wohl kaum jemand hier her kommen.

Der weitere Weg führt uns durch den kleinen Ort Kulin und ab dort entlang des Tin Can Highways, an dem die humorvollen Bewohner Kulins verschiedene Pferdestatuen aus Zinndosen errichtet haben.

Leider wird es immer später und wir liefern uns ein Rennen mit der Sonne, das wir ganz knapp verlieren. Als wir am Campingplatz ankommen ist sie gerade untergegangen. Trotzdem schnappen wir uns schnell unsere Ciderflaschen und eilen zum Gorge Rock um auf dem Felsen das letzte Licht zu beobachten. Wieder ist es sehr beeindruckend wie weit man von dieser kleinen Erhebung über das flache Land blicken kann.

Ich finde es hat sich trotz verpasstem Sonnenuntergang gelohnt. Auch nachts ist der Sternenhimmel über dem Outback sehr beeindruckend! Leider kann meine Kamera ihn jedoch mit einem maximalem ISO von 3.200 nur schwer einfangen. 6400 müssten es dafür leider schon sein.

Am nächsten Morgen müssen wir wieder ein paar km zurück, also in Richtung Osten fahren zum Grund unseres Abstechers ins Outback: dem Wave Rock! Am Parkplatz bezahlt man 10 Dollar und erreicht sehr schnell die faszinierende Gesteinsformation in Form einer riesigen Welle.

Der Wave Rock ist 2,7 Milliarden Jahre alt und wurde durch Erosion in seine heutige Form gebracht. Das Granit ist wohl an der Oberseite härter als an den Seiten und wurde durch herablaufendes Regenwasser ausgewaschen. Das kann man sich zwar im Outback nicht so wirklich vorstellen aber erst Anfang 2017 gab es sogar am Uluru rekordverdächtige Regenfälle! Der Wave Rock misst beeindruckende 110 Meter in der Breite und ist 15 Meter hoch. Der Stein ist zudem ziemlich rutschig, sodass wir nach einer viel Gleichgewicht erfordernden Kletterpartie leicht nachträglich noch ins neue Jahr rutschen können.

Vom Felsen aus kann man noch eine Wanderung zum „Hippo’s Yawn“ unternehmen. Diese führt zwar durch den Wald, das ändert aber leider nichts an den Temperaturen und so fühle ich mich während der circa 30 Minuten als würde ich in der Erdsauna sitzen. Da wäre es vielleicht besser gewesen das Auto zu nehmen aber darin sitzen wir den Rest des Tages sowieso noch lange genug. Wer erkennt das „gähnende Nilpferd“?

Immerhin ist es im Schatten der (Mund)Höhle angenehm kühl!
Eine weitere als spektakulär ausgeschriebene Sehenswürdigkeit ist die Höhle „Mulka’s Cave“, 8 km nördlich des Wave Rocks. Tatsächlich ist die Höhle ziemlich klein und die angepriesenen Wandmalereien der Aborigines erweisen sich als simple Handabdrücke. Die zugehörige Geschichte vom menschenfressenden Bewohner der Höhle sorgt auch nicht gerade dafür, dass wir hier länger verweilen möchten.

Wir treten also den Rückzug an und bummeln noch etwas durch das Städtchen Hyden. Ich finde zum Beispiel den Bahnhof hier sehr beeindruckend, der nur aus einem Wellblechcontainer neben Gleisen besteht.

Nach einem kleinen Rundgang begeben wir uns auf die lange Fahrt zurück an die Westküste. Bis nach Rockingham sind es 350 km, die wir bis zum Abend mit kleineren Stops zurücklegen.

In Rockingham verbringen wir noch einen letzten Tag Urlaub am Strand von Cape Peron, nachdem wir es abgewählt haben für 200 Dollar pro Person mit den in der Bucht lebenden Delfinen schwimmen zu wollen und die geplante Fähre für die Überfahrt auf die Pinguin Insel verpasst haben. Ich habe Pinguine ja bereits in Melbourne gesehen und auch an meinem nächsten Ziel Neuseeland soll es welche geben. Meinen (vorerst?) letzten Sonnenuntergang in Australien beobachten wir vom Shoalwater Beach aus, um vielleicht wenigstens Delfine zu sehen aber die dortigen Angler wissen davon leider nichts. Dafür stolziert ein Pelikan um sie herum und ich darf ihn mit ihrem scheinbar nur zum Spaß gefangenen Fisch füttern.

Mit der untergehenden Sonne verabschiede ich mich leicht wehmütig von diesem vielseitigen Kontinent, denn am nächsten Tag geht mein Flug nach Christchurch und das Abenteuer Neuseeland beginnt auf der Südinsel!

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