05 Nov

Agnes Water – wo die Kängurus aus den Beuteln fallen

Der Übernachtbus aus Airlie Beach spuckt uns gegen 6:50 Uhr morgens schließlich in Agnes Water aus. Wir nehmen den Shuttle zum Hostel und warten auf den Check-in. Ich bin ziemlich kaputt, obwohl ich fast die gesamte Fahrt verschlafen habe. Bei der Abreise aus Airlie Beach wurde uns noch ein Surfkurs in Agnes Water empfohlen, sodass wir uns hier mal informieren. Wir könnten auch gleich schon mitfahren zum surfen, sind aber zu unmotiviert und checken daher erstmal ein.

An der Tafel im Hostel steht was von Kängurus und wir fragen was es damit auf sich hat. Wir erfahren, dass es hier einen Känguruhof gibt, der kleine Kängurus aus Autounfällen aufzieht. Das müssen wir uns natürlich ansehen und buchen die Tour für diesen Nachmittag. Vorher schlafen wir uns noch ein wenig am netten Strand aus.

Gegen 3 Uhr geht es also los und wir fahren mit dem Bus zu den Kängurus. Hier bekommen wir vom Leiter des Zentrums gleich ein paar Scheiben Süßkartoffel in die Hand gedrückt und werden auf die Kängurus losgelassen. Mein blumiger Rock kommt dabei besonders gut an.

Der Leiter des Hofes erzählt uns, dass Süßkartoffel für Kängurus wie Schokolade für uns ist und das erklärt dann auch den Andrang und die verklärten Blicke beim Knabbern.

Er erzählt uns dann auch ein bisschen mehr und wir lernen, dass Kängurus, wie Koalas auch, nach der Geburt über eine Speichelspur in den Beutel finden. Dort saugen sie sich an der unteren Zitze der Mutter fest und wachsen bis sie circa 10 Monate alt sind heran.

Danach schmeißt die Mutter sie immer mal raus. Beim ersten mal hüpfen sie natürlich sofort wieder rein, weil sie es nicht kennen aber zwischen 10 und 12 Monaten sind sie immer mal draußen und drinnen. Dann trinken sie von der oberen der zwei Zitzen der Mutter, wie dieses Kerlchen hier.

Zu diesem Zeitpunkt kann die Mutter bereits wieder schwanger sein und ein kleines Würmchen an ihrer unteren Zitze sitzen haben. Sie kann also zum selben Zeitpunkt 2 verschiedene Milchsorten für ihre zwei Babies in unterschiedlichen Entwicklungsstadien produzieren. Um Platz für das neue heranwachsende Würmchen zu schaffen wird das große Kind nach 12 Monaten komplett raus geworfen und hüpft nun selbständig umher.

Alle Kängurus hier können jederzeit weghüpfen und in die Wildnis zurück kehren (außer die ganz kleinen) aber sie finden es hier scheinbar nett und es gibt ja auch ständig Schokolade. Schließlich sehen wir noch wo die kleinen ohne Mutter schlafen, nämlich in diesen niedlichen Taschen.

Dann ist unser Besuch dort auch leider schon vorbei und wir müssen zurück ins Hostel. Wir hatten dort eine Tour zum Sonnenuntergang gebucht aber als wir auf dem Aussichtspunkt stehen ziehen die Wolken immer weiter zu und es beginnt schließlich zu regnen, sodass diese Aktion völlig umsonst war. Ich bin weiterhin in Kontakt mit einer Surfschule für den nächsten Tag aber da die Wellen nicht so gut werden sollen, will der Leiter bereits 6:45 Uhr morgens los. Das begeistert uns nach der nächtlichen Busfahrt nicht so wirklich und wir sagen ab, obwohl der Chef versucht mir ein schlechtes Gewissen ob der verpassten Chance einzureden und ich schwer überlegen muss. Die beiden Engländerinnen in unserem Zimmer stehen jedoch tatsächlich so früh auf nur um dann zu erfahren, dass es abgesagt wird. Auch ein erneuter Versuch, der für 10 Uhr angekündigt wurde, wird schließlich abgesagt, sodass wir hier kein schlechtes Gewissen haben müssen. Schließlich ist in unserem Buspass noch eine Surfstunde in Byron Bay enthalten.

Statt uns über die nicht vorhandenen Wellen und abgesagten Surfstunden zu ärgern wollen wir an diesem Tag einen kleinen Walk durch den Paperbark Wald machen. Der Fußmarsch dorthin entpuppt sich als die eigentliche Wanderung und dauert bereits eine Stunde. Immerhin finden wir ein nettes Straßenschild als kleinen Zeitvertreib auf dem Weg, wenn die Fliegen schon so lästig sind.

Der Walk an sich ist aber dann doch sehr bezaubernd und führt uns durch einen Märchenwald aus Paperbarks.

Die Bäume heißen so, weil ihre Rinde aus mehreren dünnen Schichten besteht, die wie Papier zu sein scheinen. Bei einem Waldbrand verbrennen nur die äußeren Schichten und der Baum selbst bleibt unbeschädigt. Einige Teebaumarten sind zum Beispiel Paperbarks.

Der Weg ist leider ziemlich kurz aber auch sehr malerisch mit den von Farnen umwucherten hellen Bäumen und wirkt teilweise gespenstisch.

Nach diesem kurzen Highlight treten wir wieder den Rückweg ins Hostel an und verabschieden uns am nächsten Morgen bereits von Agnes Water. Nun geht es weiter nach Hervey Bay, von wo wir nach Fraser Island übersetzen für unsere Tour auf der größten Sandinsel der Welt.

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